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Sina,
13, Vater schwul
"Mein Vater ist schwul," dieser Begriff lag nun in der
Luft, wartend darauf von mir aufgefasst zu werden. Die Frage war,
wie sollte ich als 9-jähriges Mädchen mit einer solchen
Erwartung fertig werden? Was denken oder sagen, wie handeln? In
meinem Fall handelte ich sehr schnell, suchte verzweifelt einen
Weg wegzukommen, entschied mich für Flucht! Verwirrt aber hastig
stand ich auf, rannte so schnell ich konnte in mein Zimmer, mein
Reich. Kletterte auf mein Bett, vergrub mein Gesicht weit unten
im Kissen und weinte. Ich musste weinen, warum kann ich heute nicht
genau sagen. War es wegen dem Begriff schwul oder wegen dem Gedanken,
warum ist nicht einfach alles "normal"? Ich weiss es nicht!
Ich verspürte einfach einen Drang, einen Drang zum weinen,
etwas rauszulassen, mich wieder davon zu befreien, bevor ich erneut
davon eingeholt wurde. Mein Vater kam mir nach, nahm in den Arm,
tröstete mich so gut es ging, sagte mir, alles werde gut und
es sei nichts Schlimmes. Wir sassen also da, die Familie die in
meinen wirren Gedanken auseinander zu reissen drohte, meine Familie.
Ich weiss nur noch, dass ich dringend Berührung, Verbindung
zu meiner Mutter suchte, sie musste das gleiche verspüren wie
ich. Ich benutzte dafür meine zusammengeknüpften Knuddltüchlein
als Leitung zwischen uns. Wir redeten noch lange, sehr viel weiss
ich nicht mehr. Ich weiss nicht mal mehr, wie mein Bruder reagiert
hat, ich war zu fest mit mir beschäftigt. Damit, Gedanken zu
ordnen, zu bestimmen, was mir Mühe machte und was ich wollte.
Natürlich nicht nur an jenem Abend, nein, auch jene Tage danach,
Wochen danach, sogar Monate danach bestimmte, ordnete und beschäftigte
ich mich damit. Ich weinte, sprach, malte oder sass einfach nur
da. Es war nicht einfach, die ganze Zeit war nur schwer zu überstehen!
Ich überlegte lange, was gut war für mich. Ich entschied
mich zu reden, weinen, überlegen, vor allem Zeit für mich
zu haben! Ich hatte Angst, Angst davor von meinen Schulkameraden
gehänselt zu werden oder dass ich deswegen keine Freunde mehr
fand, alleine war. Ich bin froh, konnte ich reden und weinen! Oder
ich kann reden und weinen, denn es ist wichtig sich und seine Gedanken
mitzuteilen! Andere daran teilhaben zu lassen, die einem helfen
können. Vielleicht nur indem sie zuhören oder dir sagen,
alles werde gut, und dich in den Arm nehmen. Das können Freunde,
Familie, Lehrer oder einfach Menschen sein, die einem vertraut sind.
Man darf auf keinen Fall denken, das ist meine Sache, ich muss alleine
damit fertig werden. Das bringt nichts. Dann in nächster zeit
passiert in der Familie sehr viel! Vielleicht trennen sich die Wohnorte
deiner Eltern. Wenn das so ist, dann ist es meistens besser so,
denn in dieser Zeit musst nicht nur du dir überlegen, was du
willst, sondern auch deine Familienmitglieder. Jeder muss glücklich
sein und braucht Zeit sich das Glück zu verschaffen. Wenn deine
Eltern getrennt in zwei verschiedenen Wohnungen leben, darfst du
auf keinen Fall das Gefühl haben, dass du dich entscheiden
musst! Beide sind deine Eltern und lieben dich.
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