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Luna
Luna, 33, Physiotherapeutin, Tochter, getrennt
lebend
Vorgeschichte
Meine Geschichte beginnt bereits im Alter von 18 Jahren. Seit
diesem Alter war ich mit Martin zusammen. Da wir in den gleichen
zwei Vereinen Mitglied waren, verbrachten wir sehr viel Zeit miteinander.
Erst als jeder nach der Matura die Berufsausbildung begann, führten
wir eine Wochenendbeziehung, da ich in einer anderen Stadt zur Schule
ging.
Mit 25 Jahren zogen wir zusammen. Wir waren beide immer voller Tatendrang
und sehr sportlich, was dann auch die Freizeit und die Ferien gestaltete.
Erst nach vielen Auslandreisen heirateten wir 31-jährig und
ich wurde dann auch sehr bald schwanger.
Aufdeckung der Neigung und Coming-out
Als wir das Kinderzimmer einrichteten, erwähnte mein Mann erstmals,
er habe manchmal das Gefühl eine kleine Neigung zur Homosexualität
zu haben. Doch wenn er genauer nachdenke, so sei er auch nach 13
Jahren noch in mich verliebt und er freue sich auch riesig auf das
Kind.
Zwei Wochen vor der Geburt hatten wir Besuch aus D: ein junger homosexueller
Mann den Martin im Chat kennenlernte. Dieser Besuch veränderte
unser Leben, denn Martin verliebte sich in ihn. Auch er wusste nicht
mehr, was in ihm vorging und er wollte mich auch nicht verletzen,
schon gar nicht so kurz vor dem Geburtstermin. Er ass nicht mehr
viel und wich mir wann immer er konnte aus. Ich bemerkte wohl sein
Anderssein, doch ich schrieb dies dem Stress im Job und der Nervosität
auf die Geburt zu. Unsere Tochter kam dann zur Welt und mein Mann
nahm eine Woche frei um mir einen raschen Spitalaustritt zu ermöglichen.
Obschon alles gut gegangen war und wir eigentlich überglücklich
hätten sein sollen, verhielt sich mein Mann noch immer sehr
zurückgezogen. Er vertiefte sich in die Haushaltsarbeit und
wich meinen Blicken noch immer aus.
Sechs Tage nach der Geburt fragte ich ihn dann , was mit ihm los
sei. Er sagte, dass etwas Schreckliches geschehen sei. Ich wusste
sofort Bescheid: er hat sich in den Mann aus D verliebt.
Für uns brach eine Welt zusammen, in einem
Moment des grössten Glückes nach der Geburt eines gesunden
Mädchens.
Wir weinten viele Nächte und fragten uns "Warum gerade wir".
Jetzt folgte eine schwierige Zeit für uns beide. Wir beschlossen
weiterhin sehr offen zueinander zu sein und dem anderen alle schlechten
Gefühle und aufwühlenden Gedanken sofort mitzuteilen.
Ein halbes Jahr versteckten wir es vor der Familie, denn uns war
klar, dass zuerst wir als Paar uns mit der Situation auseinandersetzen
mussten, bevor wir alle anderen belasten. Ob dies der beste Weg
war, bezweifle ich , denn später habe ich erkannt, dass ich
in der Familie und in Freunden eine grosse Stütze fand. Mein
Mann und ich besprachen viel miteinander und trafen Abmachungen.
Eine z.B. war, dass er einmal pro Woche in den Ausgang ging um die
Schwulenwelt etwas kennenzulernen. Ich wusste, dass er mir alles
Erlebte erzählte und wir diskutierten auch immer wieder darüber.
Für ihn war klar, dass er keine intime Beziehung beginnen würde,
solange wir noch keine vernünftige Lösung hatten, zumal
er manchmal selbst an seinem Schwul-sein zweifelte.
Ich sagte , er solle es mal ausprobieren, dann wisse er Bescheid.
Wir hatten zu dieser Zeit , in diesem Stress , keinen sexuellen
Kontakt mehr miteinander.
Reaktionen der Familie und des Umfelds
Es war ein grosser Schock für alle und wir mussten von
gewissen Vorstellungen und Bildern z.B. eine glückliche Familie
unter einem Dach und ev. noch ein zweites Kind, Abschied nehmen.
Nur offene Gespräche mit der Familie halfen allen weiter, denn
wir wollten auf jeden Fall, dass sie unsere neue Situation verstanden.
Jeder hatte seine eigene Art damit fertig zu werden und wir versuchten
auch diejenigen zu verstehen, die sich anfänglich zurückzogen.
Heute haben aber alle einen Weg gefunden und die Familien sind nicht
auseinandergebrochen.
Lösungsversuche
Wir diskutierten verschiedene Familienmodelle durch Trennung, Scheidung,
Zusammenbleiben, getrennte Haushalte, offene Beziehung. Aber nachdem
er einen festen Freund hatte, wussten wir beide, dass wir einander
loslassen mussten um uns nicht gegenseitig im Weg zu stehen. So
suchten wir für ihn eine neue Wohnung. Diese Trennung brachte
für mich viel Ruhe, da ich nicht mehr mitansehen musste, wann
er in den Ausgang ging, telefonierte oder wann er nachts nach Hause
kam.
Martin verbrachte trotzdem noch viel Zeit mit mir
und unserer Tochter, da er nur 80% arbeitete und ich so auch meiner
geliebten Arbeit nachgehen konnte. Durch viele offene Gespräche
mit Fachpersonen (Gesprächstherapien) Selbsthilfegruppen, und
auch mit der Familie und Freunden versuchten wir einander loszulassen,
was sehr schwierig war nach all den Jahren, die wir zusammen erlebten.
Aber genau diese verbleibende "Liebe" zueinander verhilft uns einen
guten Umgang miteinander zu behalten.
Jetzt sind 20 Monate vergangen und ich glaube,
dass Martin und ich einen guten Weg gefunden haben, indem wir eine
kollegiale Freundschaft weiterführen und uns mit den Erziehungsfragen
unserer gemeinsamen Tochter absprechen. Unser Ziel ist jetzt noch
eine saubere Lösung für die Scheidung und unserem gemeinsamen
Haus zu finden.
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