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Forum
Bericht
über unsere Arbeit:
hetera - Hilfe für Partnerinnen schwuler Männer
Artikel erschienen in der Schweizerischen Ärztezeitung, Nr
38, am 18.9.02
F. Hoesch
Seit einem Jahr engagiert sich die Frauengruppe
hetera für Partnerinnen und Kinder von schwulen Männern.
Sie berät Betroffene, organisiert Begegnungstage und macht
die Öffentlichkeit über eine Homepage (www.hetera.ch )
und Medienarbeit auf das bisher tabuisierte Thema aufmerksam. hetera
will betroffenen Frauen und Kindern eine Stimme geben.
Eigentlich - so glaubt man - kann es Ehefrauen
von schwulen Männern und leibliche Kinder von schwulen Vätern
gar nicht geben. Dasselbe gilt für Partner lesbischer Frauen
und deren Kinder. Im Bewusstsein der Öffentlichkeit kommen
sie jedenfalls nicht vor. Nach unseren Beobachtungen müssen
wir aber davon ausgehen, dass in der Schweiz Zehntausende von Frauen
und Männern in einer Ehe oder Partnerschaft mit Homosexuellen
leben oder gelebt haben und dass es noch mehr Kinder aus diesen
Verbindungen gibt. Zahlen haben wir bei einem so tabuisierten Thema
natürlich nicht. Eine amerikanische Gruppe "Straight Spouse
Network" (www.ssntwk.org)
schreibt, dass in den USA ca. 2 Millionen Menschen betroffen seien.
(A. Buxton, The other Side of the Closet, 1991) Wenn man das auf
schweizerische Grössen umrechnet, kommt man auf 60.000 Menschen,
die fast alle kaum über ihre Geschichte zu sprechen wagen und
vermutlich sehr allein damit sind.
Partnerinnen
schwuler Männer
Viele betroffene Frauen werden gar nicht wissen, in welcher Situation
sie sich befinden, denn ihre Männer leben die homosexuellen
Neigungen oft versteckt aus. Sie wagen nicht, zu ihrer schwulen
Seite zu stehen, weder gegenüber ihren Frauen, noch unter Hetero-Männern
und auch nicht unter Homosexuellen. Für die einen sind sie
nicht richtig hetero, für die anderen nicht richtig schwul.
Sie fürchten ihre Familie zu verlieren. Sie sind gefangen in
ihrem Geheimnis. Eine offene und herzliche Partnerschaft ist dann
unmöglich. Mitleidende sind immer die Kinder, denn das Geheimnis
vergiftet die Familienatmosphäre.
Betroffene Frauen wenden sich wegen psychosomatischer Beschwerden
häufig an ihren Hausarzt, viele sind depressiv oder sogar suizidal.
Aber auch mit ihrem Arzt sprechen sie nur selten über die Hintergründe.
Sie wissen nicht, wie sie sich ausdrücken sollen, sie schämen
sich und sie fürchten, dass man sie nicht ernst nehmen oder
ihnen die Schuld am sexuellen Verhalten ihrer Partner geben könnte.
Und umgekehrt ist es für den Arzt heikel nachzufragen, denn
wenn man einen heterosexuellen Mann bzw. seine Frau fragt, ob er
schwul sei, ist er vielleicht verletzt oder fühlt sich sogar
schwer beleidigt. Das Tabu blockiert die ganze Situation.
Kinder
schwuler Väter
Kinder und Jugendliche haben es besonders schwer mit ihren Altersgenossen
über ihre Sorgen zu sprechen, denn unter ihnen sind Klischeevorstellungen
und Vorurteile noch weiter verbreitet. Der Anpassungsdruck und Bedürfnis,
von Gleichaltrigen akzeptiert zu sein, sind im Mittel- und Oberstufenalter
sehr hoch. Das Wort "schwul" wird aber von den Gleichaltrigen
häufig als übles Schimpfwort gebraucht. Wie soll ein Kind
damit umgehen, wenn es weiss, dass sein Vater schwul ist?
Rückzug und Einsamkeit können die Folge sein. Wenn Schulschwierigkeiten
auftreten, ist es nicht leicht zu entscheiden, ob man dem Lehrer,
der Lehrerin vom schwulen Partner bzw. Vater erzählen soll.
Vielleicht sind die Lehrpersonen selber damit überfordert,
denn davon haben viele noch nie etwas gehört und können
es deshalb nicht einordnen.
Das
Coming Out des Partners ist ein Schock
Ein Zitat aus einem E-Mail, das typisch ist für viele: "Ich
bin seit 13 Jahren verheiratet, wir haben zwei Kinder. Im September
letzten Jahres hat mir mein Mann erzählt, dass er schwul ist.
Ich habe mich gefühlt, wie vom Blitz getroffen. Mittlerweile
ist der erste Schock in eine abgrundtiefe Verzweiflung übergegangen.
Ich hatte wirklich absolut keine Ahnung. Auch jetzt fühle ich
mich noch wie in einem bösen Traum, aus dem ich nicht aufwachen
kann."
Nicht selten kommt das Geständnis: "Ich bin schwul, ich
habe Sex mit Männern, ich habe einen Freund" ganz plötzlich
und nach sehr langer Ehe. Viele schwule Männer scheinen über
sehr lange Zeit ein perfektes Doppelleben zu führen, teils
weil sie Angst haben, teils weil sie verdrängt und sich selbst
etwas vorgemacht haben und ganz selten auch aus Zynismus. Die Grenze
zwischen Hetero- und Homosexualität ist viel fliessender, als
man gemeinhin denkt. Das hat schon Kinsey in den Fünfziger
Jahren gezeigt. Die Gründe der Männer sind hier nicht
unser Thema, sondern die Frage: warum ist das für die Frauen
so schockierend?
Was
für ihn eine Befreiung ist, bedeutet für sie Verstecken
und Gefangensein
Der Partner ringt sich nach einem oft monate- oder jahrelangen inneren
Kampf dazu durch, die Wahrheit über seine Empfindungen zu sagen.
Oder, viel häufiger, sein Doppelleben wird nach einer langen
Zeit des Versteckens von seiner Frau entdeckt. Das ist für
ihn zunächst eine grosse Befreiung. Manchmal brechen alle Dämme
des Schweigens, denn er ist glücklich seiner Frau endlich alles
erzählen zu können.
Die ganze Wucht des Tabus trifft nun sie. Die Gesellschaft denkt
auch heute noch: Homosexuelle haben nichts mit Frauen! Das können
ja nur irgendwie gestörte Frauen mit einem sehr schwachen Selbstwertgefühl
sein, denen das passiert. Sicher sind sie unattraktiv, passiv, irgendwie
männlich oder selbst sexuell abartig.
Die Partnerin fühlt sich stigmatisiert und isoliert. Wem kann
sie sich anvertrauen? Was wird die eigene Familie, was werden die
Nachbarn, die Menschen am Arbeitsplatz über sie denken oder
reden? Wie soll sie es ihren Kindern erklären?
Alles
ist in Frage gestellt
Ob jemand eine Frau ist oder ein Mann, ob sie/er das andere Geschlecht
liebt oder das eigene, die sexuelle Orientierung ist eine der Grundfesten
der Persönlichkeit. Eine heterosexuelle Frau geht davon aus,
dass ihr Partner ebenfalls heterosexuell ist, meistens ohne dass
sie sich dabei viel denkt oder gar Fragen stellt. Nun ist auf einen
Schlag alles gestört, nicht nur die Ehe bzw. Partnerschaft,
auch das eigene Selbst, die eigene Geschlechterrolle, die Beziehungsfähigkeit
und das ganze eigene Leben.
Ist das nicht in heterosexuellen Beziehungen ebenso, wenn einer
fremd geht? Vieles ist vergleichbar. Fast alle Menschen sind erschüttert,
wenn ihre Ehe zerbricht. Aber die Krise geht tiefer und hält
länger an.
Wie
war es möglich, dass ich nichts gemerkt habe?
Ein Mann, der ein Doppelleben führt, baut einen Bereich des
Schweigens um sich herum auf. Er organisiert das perfekt: Überstunden,
Mittagspausen, Weiterbildungen am Wochenende, Sportklubs etc. Und
seine Frau gönnt ihm das alles gerne, sie hat Mitleid mit ihm,
weil er soviel arbeiten muss, und will ihn nicht auch noch mit Fragen
stressen. Frauen finden tausend Erklärungen, warum der Partner
sich verändert hat. So entsteht ein Bereich, über den
nicht geredet wird.
Eine andere Form des Schweigens ist, dass der Mann besonders nett
und aufmerksam ist: Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft bei der Pflege
der Kinder und im Haus, Verständnis und Einfühlung im
Bett. Er vermeidet jede Art von Konflikten. Es könnte ja sein,
dass im Streit alles heraus kommt. So lebt das Paar die "ideale
Ehe", gilt nach aussen hin als Musterpaar. Aber im Innern entsteht
eine Tabuzone, ohne dass man es richtig merkt.
Was
ist mit mir los, bin ich vielleicht sexuell zu wenig entwickelt?
Welcher Mensch glaubt , dass er/sie im Bett perfekt sei? Wird nicht
jede Frau hin und wieder unsicher? Die Entdeckung, dass der Partner
homosexuell ist, scheint vielen Frauen zu bestätigen, dass
sie sexuell ungenügend sind. Sie zweifeln an ihrer Weiblichkeit,
fragen sich, ob sie vielleicht zu wenig anziehend, zu wenig sensibel,
zu wenig orgasmusfähig seien etc. Nicht selten haben ihre schwulen
Partner die eigene sexuelle Unlust gerade mit solchen Vorwürfen
bemäntelt. Die Frau wird von ihrem Partner sexuell nicht wirklich
begehrt, die sexuelle Energie in der Ehe geht verloren. Sie selbst
erlebt sich nicht mehr als anziehend. Sie wird unausgesprochen abgewertet
und verinnerlicht das. Eine Frau sagt: "Es ist, als ginge das
Licht aus und ich nehme mich selbst in meiner Weiblichkeit nicht
mehr wahr." Sie wird nun meistens nur noch als Mutter angesprochen,
auch von ihrem Ehemann. Und sie muss sich dafür weiteren Spott
von anderen gefallen lassen. Fragen voller versteckter Vorurteile
werden auch von aussen gestellt. Mütter fragen, warst du denn
auch gut genug im Bett? Therapeuten fragen, was ist denn mit ihnen
los? Wo ist ihr eigener homosexueller Anteil? Spätere Partner
fragen, bist du denn überhaupt eine richtige Frau? All diese
Fragen nagen am Selbstbewusstsein und verwirren die Frau noch mehr.
Eine amerikanische Soziologin, Familien- und Sexualtherapeutin ist
den vorgefassten Meinungen nachgegangen: Haben Partnerinnen von
schwulen Männern ein schwaches Selbstbewusstsein? Haben sie
eine spezielle Vorgeschichte? Sind sie in ihrer Sexualität
gestört? Sie fand keine signifikanten Unterschiede zu anderen
Frauen. (J.S. Gochros, When Husbands come out of the Closet,1989)
Probleme
des Partners machen es schwer an sich selbst zu denken
Auch der schwule Partner ist sich über seine eigenen Gefühle
sehr oft nicht im Klaren. Er hofft nicht selten, dass er sich durch
die Ehe aus dem Dilemma, "anders" zu sein, befreien kann.
Viele schwule Ehemänner lehnen Homosexualität zutiefst
ab, wollen mit Schwulen nichts zu tun haben, ja finden es ekelhaft
und unmoralisch. Homophobie ist unter Homosexuellen weit verbreitet.
Das bringt auch sie selbst in eine schwierige Lage, und es ist nicht
erstaunlich, dass recht viele Männer daran sehr leiden, depressiv
werden, zuviel Alkohol trinken und auch gewalttätig werden.
Nicht selten sind sie suizidal und müssen in psychiatrische
Behandlung.
Die Frauen spüren das Leiden ihres Partners, haben Mitleid
mit ihm und sind bereit, sein Problem grösser zu sehen als
das eigene. So wirken sie auch für andere manchmal wie Mütter,
die neben den realen Kindern auch noch den Partner wie ein hilfloses
Kind behandeln. Auch wenn der Vergleich hinkt, man kann sie am besten
mit Co-Abhängigen vergleichen. Sie möchten den Mann, den
sie lieben oder geliebt haben, nicht schlecht machen. Sie tun alles
um ihn und die Familie zu stabilisieren, sie helfen mit, nach aussen
ein intaktes Familienbild zu bewahren, und sie nehmen sehr viel
Schuld auf sich. Das persönliche Glück und die eigenen
Gefühle, Wut, Schmerz, Trauer etc. werden zurück gestellt.
Dabei
haben auch die Frauen massive Probleme
Die Frauen erzählen uns von sehr gravierenden Beschwerden.
Ein häufiges Problem scheint ein starkes prämenstruelles
Syndrom zu sein. Aber auch allgemeine Verkrampfungen, Zähneknirschen,
Kopfschmerzen, Atembeschwerden bis zum Asthma, Schlafprobleme, Essstörungen,
Rückenschmerzen, Niedergeschlagenheit bis hin zur Depression
und Selbstmordgedanken können die Folge sein. Nicht selten
kommt es vor, dass Frauen mit dem HI-Virus, mit Syphilis oder Hepatitis
B angesteckt werden und erst durch diese Diagnose vom schwulen Doppelleben
ihres Mannes erfahren. Die erwähnte amerikanische Studie sagt,
dass fast 50% der 33 genau befragten Frauen zeitweilig selbstmordgefährdet
waren und dass weder Verwandte noch Therapeuten und Ärzte das
wirklich wahrnahmen. (Gochros,S.97)
Trennen
oder zusammen bleiben?
"Muss ich mich jetzt scheiden lassen? Wie schwul ist er eigentlich?
Wie wichtig ist Sex mit Männern in seinem Leben? Kann ich damit
leben? Mit wieviel? Kann ich dazu stehen?" In diesen Fragen
bleiben manche Frauen jahrelang stecken. Oder es beginnt ein schmerzhafter
Scheidungs-Prozess, den auch viele andere Menschen durchmachen müssen.
Manche Paare gehen miteinander auf die schwierige Suche nach einer
individuellen Lösung, für die es kaum Vorbilder gibt.
Und die Gefahr ist gross, dass sie sich überfordern und noch
einmal scheitern.
Reden
ist Lebens - Not - wendig
So kommt es, dass auch die Frauen schweigen. Sie glauben, die einzigen
auf der ganzen Welt zu sein, denen das passiert. Sie haben alle
die Klischees verinnerlicht, die in der Gesellschaft herumschwirren.
Was aber nicht ausgesprochen werden kann, scheint auch nicht ganz
real zu sein. Man kann es nicht glauben und das Nachdenken darüber
bewegt sich im Kreis. Es ist lebensnotwendig, dass betroffene Frauen
ihren Schmerz, ihre Ohnmacht und ihre Wut ausdrücken können,
sie brauchen andere Frauen, mit denen sie ihre Gefühle austauschen
können. Aber die sind oft nicht zu finden.
Ein Blick in die Runde an einem hetera-Begegnungstag ist an sich
schon heilend, denn dort sitzen gegen ein Dutzend betroffene Frauen
und sie sind alle verschieden. Jung und alt, schlank und rund, schick
und unauffällig, intellektuell und gefühlsbetont, lustig
und traurig, alle menschlichen Variationen sitzen da im Kreis und
alle einfachen Erklärungen sind auf einen Blick erledigt. Es
hilft sehr, die Geschichten der anderen zu hören, denn es gibt
soviel Neues zu erfahren, was bisher unerhört war, über
Homosexualität und Bisexualität. Das ist wichtig. Und
ebenso viel lernt die Teilnehmerin über die Variationen des
Coming out, über Reaktionen und Gefühle der Frauen in
diesem Moment, über Lösungsversuche und Lebensmöglichkeiten.
So kann aus dem Schock, den das Coming Out bewirkt, neue Lebenserfahrung
wachsen, und nach der grossen Verwirrung kann Schritt für Schritt
mehr Klarheit und schliesslich ein gangbarer Weg gefunden werden.
hetera
- Hilfe für Partnerinnen schwuler Männer
hetera ist aus der Selbsthilfe hervorgegangen. Die Gruppe arbeitet
seit einem Jahr und unentgeltlich. Durch ihre Ausbildungen und berufliche
Erfahrung in den Gebieten psychologische Beratung, Sozialpädagogik,
Informatik und Schule bringen die Gründungsfrauen viel professionelles
Wissen für diese Aufgabe mit.
Öffentlichkeitsarbeit
hetera hat eine Homepage aufgebaut (www.hetera.ch),
auf der betroffene Frauen ihre Geschichten erzählen können.
Alle Geschichten werden unter einem Pseudonym veröffentlicht
und so weit verfremdet, dass absolute Anonymität gewährleistet
ist. Sie finden dort Erste Hilfe Tipps, eine Literatur- und Linkliste
und Antworten auf oft gestellte Fragen. Hetera ist eine Gruppe ausschliesslich
von Frauen für Frauen. Es hat sich durch ihre Vermittlung eine
Gruppe von Partnern lesbischer Frauen zusammengefunden, mit denen
sie zusammen arbeiten. (gruppe.hetero@gmx.ch)
Im Aufbau begriffen ist eine Seite für betroffene Kinder. Eine
"Chronik der laufenden Ereignisse" berichtet über
die bisherige Arbeit. Interviews mit Medienschaffenden haben zu
diversen Artikeln in Tageszeitungen und Zeitschriften geführt
und Mitglieder der Gruppe waren in der Sendung "Familienrat"
auf DRS I zu hören.
Beratung
für Betroffene
Ratsuchende können sich telefonisch oder per E-Mail mit hetera
in Verbindung setzen. Es melden sich zur Zeit etwa vier bis sechs
betroffene Frauen pro Monat. Sie haben oft noch mit niemandem über
ihre Ängste und Sorgen gesprochen und sind sehr erleichtert.
Vier Mal pro Jahr organisieren und leiten professionell ausgewiesene
Frauen von hetera einen Tag für Betroffene im Selbsthilfezentrum
Uster. Drei solche Treffen mit insgesamt 30 Teilnehmerinnen haben
schon stattgefunden, das Echo war sehr positiv. An drei Orten: Uster,
Bern und Basel haben sich Selbsthilfegruppen gebildet, die hetera
z.T. begleitet. hetera will weiter ein Netz aufbauen, das die Isolation
durchbricht, Vorurteile abbaut, das Tabu lockert und so viele schmerzhafte
und krankmachende Situationen zu verhindern hilft.
Flyer
für die Arztpraxis
Leider besteht noch sehr wenig Wissen über dieses komplexe
Thema, und Literatur aus dem europäischen Raum liegt noch kaum
vor. Aus diesem Grund ist hetera auf Informationen Betroffener und
Helfender angewiesen. Ein kurzer Fragebogen ist vorbereitet, mit
dem erforscht werden soll, wie häufig und in welchen Kontexten
das Thema in der Praxis verschiedener helfender Berufe auftaucht.
Für die Arztpraxis hält einen Flyer bereit, der die Internet-Adresse
und die Telefonnummer für Betroffene bekannt macht. Er wird
ihnen gerne zugesandt, wenn sie ein adressiertes und möglichst
auch frankiertes Couvert an die Autorin schicken.
Hetera ist zu erreichen: www.hetera.ch
bzw. info@hetera.ch
oder über das Selbsthilfezentrum Uster, Tel +41 (0)44 941
71 00
weitere Anlaufstellen:
Auskunft über die Selbsthilfegruppe in Bern unter Tel.
+41 (0)31 370 34 34
und in Basel, Selbsthilfezentrum Hinterhuus, Tel. +41 (0)61
692 81 00
in St.Gallen ist eine Selbsthilfegruppe geplant: Tel. +41 (0)71
222 22 63
Partner lesbischer Frauen: gruppe.hetero@gmx.ch
Schwule Männer finden Rat bei Pink Cross: office@pinkcross.ch
und lesbische Frauen bei LOS: Postfach 455, 3000 Bern
Eltern und Freunden von Lesben und Schwulen hilft FELS: fels@fels-eltern.ch |
Anschrift der Autorin
Dr. Folma Hoesch, Schlösslistrasse 16, 8044 Zürich
f.hoesch@datacomm.ch
Familie oder Coming-Out?
Artikel vom 7. November 2005 im Stassenmagazin Surprise von
Morena Palicano
Sie sind jahrelang verheiratet, haben
Kinder. Dann das Geständnis des Partners: Ich bin homosexuell.
Plötzlich wird die ganze Familie zum Teil eines Tabus, das
von der Öffentlichkeit nur zögernd wahrgenommen wird.
Von einer Situation, die das Leben auf den Kopf stellt und ganz
unterschiedlich gemeistert werden kann.
Folma Hoesch hat drei erwachsene Kinder und
lebt seit 20 Jahren von ihrem Mann getrennt. Nach elf Ehejahren
gestand er ihr, homosexuell zu sein und seine Neigungen schon vor
und auch während der Ehe ausgelebt zu haben. Für sie stürzte
eine Welt zusammen, sie war entsetzt, empfand Ekel, spürte
aber auch das Leid, das hinter diesem Doppelleben stand. Ein Jahr
lang besuchte sie zusammen mit ihrem Mann eine Paartherapie. "Aber
seine Homosexualität wurde nie zum Thema. Niemand wollte oder
konnte meinen Schmerz verstehen. Im Hintergrund der Gespräche
stand immer die Forderung nach Toleranz gegenüber den Schwulen.
Meine Perspektive als Partnerin eines schwulen Mannes wurde ausgeblendet."
Sechs Jahre später zog der Partner aus.
Vor vier Jahren gründete Folma Hoesch, ausgebildete Therapeutin,
zusammen mit anderen Frauen die Selbsthilfeorganisation hetera.
Aus ihren Beratungsgesprächen weiss sie, dass die Frauen oft
über Jahre hinweg schweigen. Isolation, Depression und Krankheit
können die Folgen davon sein. In der Selbsthilfegruppe erfahren
betroffene Frauen, welche Gefühlsstürme andere erlebt
haben. Sie hören viel über Homosexualität und Bisexualität
und welche Möglichkeiten des Zusammenlebens andere ausprobiert
haben. Sie lernen, dass sie sich selber ernst nehmen müssen
und dass sie Grenzen setzen dürfen. "Diejenigen, die diese
Herausforderung mit der Zeit annehmen können, lernen sehr viel
Neues über sich und das Leben", betont Folma Hoesch.
Konfrontation mit der unbekannten Seite
Karin Frei* lebte während zehn Jahren
mit ihren drei Kindern und ihrem Mann, der in einem internationalen
Unternehmen tätig ist, in Asien. Einmal fragte eine Hausangestellte:
"Wissen Sie, dass in ihrem Bett ein Mann schläft, wenn
Sie nicht da sind?"
Die Entdeckung, dass ihr Mann ein Doppelleben führte, war für
Karin Frei ein Schock. "Mir rutschte der Boden unter den Füssen
weg." Und dann die Fragen: Warum arbeitet er immer am Wochenende?
Warum kommt er abends immer so spät nach Hause? Warum verbringt
er so viel Zeit mit seinem Chauffeur? Plötzlich bekommt alles
eine zweite Bedeutung. Die Geschichte der Ehe, die gemeinsame Vergangenheit,
die Gegenwart, alles verändert sich radikal. Ehepartnerinnen
und -partner, die von der Homosexualität ihres Partners oder
ihrer Partnerin erfahren, werden mit einem Thema konfrontiert, mit
dem sie sich vorher kaum auseinandersetzen mussten. Nun stehen sie
mitten drin, müssen eine neue Sprache suchen, neue Wertvorstellungen
erarbeiten.
"Die ganze Wucht des Tabus trifft dann auch die heterosexuellen
Partnerinnen und Partner. Sie müssen erkennen, dass sie nur
die halbe Welt ihres Mannes oder ihrer Frau kannten, dass es einen
Teil gibt, der ihnen ganz fremd ist, den sie nicht einmal für
möglich gehalten haben. Und sie sind selber mit dem Unverständnis
ihrer Umgebung konfrontiert", erklärt Folma Hoesch.
Keine Chance gegen einen Mann
"Mein Mann sagte, es sei nicht so, wie
ich denke. Er hat dann doch das Eingeständnis gemacht, dass
ihm dieser Mann sehr nahe stehe, aber die Sache nie beim Namen genannt",
so Karin Frei. Für sie war das eine sehr verwirrende, von Unsicherheit
und Ungewissheit geprägte Lebenssituation. "Ich konnte
mit meinem Mann wenig bis gar nicht darüber reden. Ich habe
immer wieder das Gespräch gesucht, doch er hat immer abgeblockt
und gesagt, ich bilde mir da etwas ein." Ihr Mann bestand darauf,
dass sie seinen Freund kennen lernte. "Du musst mir diesen
Typen gar nicht vor die Nase setzen", erwiderte sie. Trotzdem
brachte ihr Mann seinen Freund regelmässig zum Mittagessen
nach Hause. "Das war total stressig und obermühsam."
Nach gut einem Jahr hielt es Karin Frei nicht mehr aus, sie reiste
mit ihren Kindern zurück in die Schweiz, nahm sich eine Wohnung,
schulte die Kinder ein. "Ich begann mich über das Thema
Homosexualität zu informieren. Ich musste wissen, haben wir
noch eine Chance? Wie könnte man das leben? Welche Möglichkeiten
gibt es?" Nach neun Monaten reiste sie mit ihren Kindern wieder
zurück nach Asien, sie wollte es noch einmal versuchen. "Bei
meinem Mann hatte sich überhaupt nichts verändert. Er
war weiterhin mit seinem Freund zusammen. Aber mit mir wollte er
nicht darüber reden. Es gab keine Klarheit. Wir konnten nicht
nach einer gemeinsamen Lösung suchen." Noch zwei Jahre
blieb sie in Asien, dann kam für sie der Punkt, an dem sie
die Situation nicht mehr ertragen konnte. Vor fünf Jahren kam
sie mit ihren Kindern wieder in die Schweiz und reichte die Scheidung
ein. "Gegen einen Mann habe ich keine Chance. Wenn er das braucht,
dann soll er das leben. Ich kann das nicht verhindern, ich kann
ihm das nicht verbieten. Aber ich mache das nicht mit."
Mit den Kindern sprach sie lange nicht über die Scheidungsgründe.
Sie wusste nicht, wie sie es ihnen erklären sollte. Ihr Mann
stand nicht dazu und sie wollte ihm nicht in den Rücken fallen.
"Als ich es ihnen dann endlich sagte, fiel mir eine Last von
den Schultern. Da war für mich klar, jetzt muss ich das nicht
mehr tragen, jetzt kann ich das bei ihm lassen."
Bei ihren Beratungsgesprächen konnte Folma Hosch auch feststellen,
dass viele Frauen lange keinen Ausweg finden. "Wenn sie keine
Frauen kennen, denen das auch schon passiert ist, und mit niemandem
reden können, dann finden sie weder Denkmöglichkeiten
noch Modelle, wie ihr Leben weitergehen könnte. Eine lange
Phase der Entscheidungsunfähigkeit, des Aushaltens, des Funktionierens
kann folgen."
Die Wut des Zahlvaters
Auf der Homepage hetera.ch gibt es auch einen
Link zu hetero, einer Selbsthilfegruppe für Männer, deren
Partnerinnen lesbisch sind. "Es gibt nur wenige Männer,
die über dieses Thema reden wollen", stellt Markus Roth*,
Mitbegründer von hetero, fest. Er ist seit kurzem geschieden
und Vater von zwei schulpflichtigen Kindern. Vor sechs Jahren sagte
ihm seine Ex-Frau, dass das mit ihrer Freundin mehr sei als nur
eine Freundschaft. "Für mich war das ein Schlag ins Gesicht
und eine kalte Dusche dazu", erinnert er sich. Sie hätten
lange Gespräche über Homosexualität geführt,
darüber, welche Lösungen möglich wären, ohne
dass die Familie auseinander breche. Er sei für vieles offen
gewesen, habe die Beziehung nicht einfach beenden wollen. Die ersten
zwei Jahre nach dem Geständnis seien keine schlechte Zeit gewesen,
denn seine Ex-Frau sei damals klar bisexuell gewesen. "Ich
habe mich damit abgefunden, vor allem wegen den Kindern." Zudem
habe sich seine Exfrau nicht als Homosexuelle geoutet, es sei eine
Sache zwischen ihnen gewesen. "Ich glaube, meine Ex-Frau konnte
diese Neigung erst leben, als ihre Eltern gestorben waren. Das war
für sie eine Art Befreiung." Als seine Ex-Frau ihre zweite
Freundin kennen lernte, forderte sie ihn auf, aus der gemeinsamen
Wohnung auszuziehen. "Ich wollte nicht, dass die Kinder ihr
gewohntes Umfeld verlieren, also bin ich ausgezogen." Seinen
Kindern erklärte er, dass die Mama lieber mit einer Frau zusammen
sein möchte, als mit dem Papa. "Von den Kindern kamen
keine Fragen. Sie haben den Laden dicht gemacht, wollten nichts
davon hören." Mühe hatte er damit, dass seine Ex-Frau
ihr Umfeld nicht mehr bewusst wahrnahm, ihre Frauenbeziehungen in
den Vordergrund stellte und darauf bestand: die Kinder gehören
zu mir. "Sie hat die neuen Beziehungen sehr flatterhaft, emotional
und impulsiv gelebt. Zweimal ist meine Ex-Frau wegen einer Beziehung
umgezogen, die Kinder mussten zweimal die Schule wechseln Ich hatte
nichts mehr zu sagen. Deshalb wollte ich nicht in die Scheidung
einwilligen." Dass seine Frau sich für ein lesbisches
Leben entschieden hat, kann Markus Roth akzeptieren. Wütend
macht ihn, dass seine Frau das gemeinsame Sorgerecht strikt abgelehnt
hat, und dass er diesbezüglich vor dem Gericht nie eine Chance
hatte. "Für die sexuellen Neigungen meiner Frau kann ich
wirklich nichts. Und trotzdem werde ich verurteilt, ich muss zahlen,
mir und den Kindern wird vorgeschrieben, wann wir uns sehen dürfen.
Und als Vater bin ich bei der Anmeldung in der Schule nicht einmal
mehr aufgeführt."
Von der Ablehnung zum Vertrauen
Christian Gertsch ist Vorstandsmitglied der
Homosexuellen Arbeitsgruppen Zürich (HAZ) und Koordinator der
Arbeitsgruppe Schwuler Väter. Er hatte immer den innigen Wunsch,
eine eigene Familie zu gründen. "Meine Neigungen und Bedürfnisse
habe ich damals zu wenig gewichtet. Ich habe sie zur Seite gestellt,
weil mir die Familie wichtiger war."
Vor der Geburt des dritten Kindes hatte Christian Gertsch sein Coming-out.
Einerseits habe er sich endlich so akzeptiert, wie er sei. Auf der
anderen Seite stehe aber der Verlust der Familie, das sei sehr schmerzhaft
und traurig. Er betont, dass Schuldzuweisungen nicht förderlich
sind und Vorwürfe wie: Du hast unsere Familie zerstört,
nicht weiter führen. Wichtig sei, das Gemeinsame, das Verbindende
zu suchen, wie zum Beispiel die Liebe zu den Kindern. Er schätze
seine Ex-Frau nach wie vor als wichtige Person in seinem Leben.
"Wir konnten uns auch in den schwierigen Zeiten mit Liebe und
Respekt begegnen und wir haben auch heute noch eine tiefe und freundschaftliche
Beziehung." Christian Gertsch sagt, dass die Zeit nach dem
Coming-out auch von vielen Versuchen und Irrtümern geprägt
gewesen sei, dass immer wieder darüber geredet wurde, wie viel
Distanz notwendig und wie viel Nähe noch möglich sei.
Seine Kinder sind jetzt zwölf, fünfzehn und achtzehn Jahre
alt. Dass sie sich als Familie getrennt haben, sei für sie
hart gewesen, sagt Christian Gertsch. Vom Sohn her sei zwischenzeitlich
auch Ablehnung gewesen, er hätte Mühe gehabt mit der Tatsche,
einen schwulen Vater zu haben. Zuerst sei da Ablehnung gewesen,
sie hätten Mühe gehabt mit der Tatsache, dass sie einen
schwulen Vater haben. "Das ist ganz natürlich. Doch die
Ablehnung hat sich wieder in Vertrauen verwandelt."
Gegen aussen eine ganz normale Ehe
Regula Müller* ist seit siebzehn Jahren
verheiratet und hat einen sechs Jahre alten Sohn. Während ihrer
Ehe hat sie sich ab und zu in eine Frau verliebt, sie hat dann furchtbar
gelitten, aber fremdgehen war für sie kein Thema. Dieses Verliebtsein
nervte Regula Müller. Sie besprach das mit ihrer Trainerin,
die sie in Neurolinguistischem Programmieren unterrichtete. "Plötzlich
gab es das Lesbisch sein für mich als Möglichkeit. Dann
habe ich mal ausprobiert, wie sich das mit einer Frau anfühlt."
Ihre Freundin, mit der sie seit zwei Jahren zusammen ist, hat sie
über das Internet kennen gelernt. Regula Müller hat sich
nie als Lesbe geoutet. "Ich bin Abteilungsleiterin mit einem
Team von dreizehn Damen. Das wäre nur noch ein Eiertanz.."
Nach wie vor lebt sie mit ihrem Mann und ihrem Sohn im gleichen
Haushalt. "Gegen aussen führen wir eine ganz normale Ehe.
Das merkt doch keiner, dass wir nicht mehr miteinander schlafen."
Eine Trennung kommt für sie - und auch für ihren Mann
- nicht in Frage, denn für beide ist es wichtig, ihrem Sohn
eine Familienstruktur zu geben und eine Erziehungsgemeinschaft zu
sein.
"Mein Mann und meine Freundin verstehen sich bestens. Sie übernachtet
auch bei uns. Das ist überhaupt kein Problem."
Lösungen sind möglich, doch
das Tabu bleibt
In der Mehrheit der Fälle trennen sich
die Ehepartner. Aber
viele schwule Partner oder lesbische Partnerinnen wollen ihre Familie
erhalten. Und Frauen wie Männer nehmen dieses Opfer zugunsten
der Familie oft auf sich. Wichtig ist, dass der schwule Partner
bzw. die lesbische Partnerin die Ehe mitträgt und die homosexuellen
Neigungen nicht total in den Vordergrund stellt. Wenn die heterosexuellen
Betroffenen jedoch das Geheimnis wahren müssen , weil ihre
Partner das offene Gespräch ablehnen, sind Kompromisse schwer
zu finden. Die Situation sollte geklärt werden, damit Abmachungen
getroffen und eingehalten werden können.
"Für sich selber können viele Paare eine individuelle
Lösung finden, auch als Eltern, in der Familie und in der Nachbarschaft
lernt man mit dem Thema umzugehen", weiss Folma Hoesch. Aber
je grösser der Kreis werde - in der Firma, im Verein, in der
Gemeinde - desto unberechenbarer seien die Reaktionen. "Und
wenn man gar öffentlich redet, stellt man fest: Es ist immer
noch ein Tabu."
Soll man mit den Kindern darüber
reden?
"Wenn die homosexuellen Neigungen des
Vaters oder der Mutter ein zentrales Thema für die Beziehung
werden, wenn es zum Streit oder zur Trennung kommt, müssen
die Eltern offen und vernünftig mit ihren Kindern darüber
reden." sagt Folma Hoesch. Kinder jeden Alters belastet es
sehr, wenn zwischen den Eltern starke Spannungen und Probleme bestehen,
über die nicht gesprochen wird. Das kann grosse Ängste
auslösen und von Schulschwierigkeiten bis zum Drogenkonsum
schlimme Folgen haben.
Die sexuellen Differenzen der Eltern sind eigentlich kein Thema
für die Kinder. Bei einer Trennung ist es für sie vor
allem wichtig, dass die Eltern respektvoll und wenn möglich
liebevoll miteinander umgehen, und sie brauchen die Sicherheit,
dass Mutter und Vater sie weiter gern haben und ihre Eltern bleiben.
"Wenn der Vater auszieht, gibt man kleinen Kindern am besten
eine ehrliche aber simple Erklärung: z.B.: "Papa möchte
jetzt mit seinem Freund zusammen leben ..." Wenn sie weitere
Fragen stellen, gibt man ihnen darauf entsprechende Antworten. Jedenfalls
sollte dieses Gespräch nicht allzu emotional werden. Die Verletzungen,
der Zorn, die Trauer sind separate Gefühle. Die Kinder dürfen
das wissen. Aber es sollte nicht alles auf einmal über sie
hereinbrechen."
Grundsätzlich sollten Kinder in offenen familiären Gesprächen
schrittweise aufgeklärt und dabei auch zur Toleranz gegenüber
Homosexuellen erzogen werden. "Teenager wollen es vielleicht
genauer wissen und sie fragen sich auch, wie sie ihre eigenen sexuellen
Gefühle einschätzen können. Besonders Buben fragen
sich, ob sie vielleicht selber schwul seien und woran sie das merken."
Dazu brauchen sie offene Antworten, besonders vom Vater. Erwachsene
Kinder stellen neue Fragen. Sie sind bereit die Geschichte der Eltern
einfühlsam zu verstehen und die Spannungen, die darin liegen,
mit auszuhalten. Auf keinen Fall sollten Kinder aber zu Mitwissern
gemacht werden, die ein Familiengeheimnis hüten müssen.
Mit den Kindern reden heisst deshalb auch mit der weiteren Familie,
mit Freunden und Lehrern usw. reden. Folam Hoesch betont: "Sonst
bleiben die Kinder mit dem schwierigen Thema allein, das letztlich
doch immer alle Beteiligten überfordert, denn es zwingt sie
sehr grosse Spannungen auszuhalten."
Literatur für Kinder: "Ganz schön
aufgeklärt" von Jörg Müller, für Kinder
vor der Pubertät.
"Gemischte Gefühle" von Joachim Braun und Beate Martin,
für Jugendliche.
Begegnungstage und Erfahrungsaustausch
hetera bietet den Frauen einen telefonischen
Erstkontakt an und lädt sie zu Begegnungstagen ein. Rund 200
Frauen aus der ganzen Schweiz und dem nahen Ausland kontaktieren
hetera, ça 90 Betroffene sind zu Begegnungstagen gekommen.
In Bern, Basel und Winterthur gibt es Selbsthilfegruppen. Sie sind
offen für neue Mitglieder. Die Männergruppe hetero trifft
sich alle sechs Wochen zum Erfahrungsaustausch. Bei hetera gibt
es neu zwei Internet Gesprächs-Foren, eines für Partnerinnen
und eines für jugendliche und erwachsene Kinder von schwulen
Vätern und lesbischen Müttern.
Informationen zu hetera und hetero: www.hetera.ch
Informationen für schwule Väter und lesbische Mütter:
www.haz.ch (Homosexuelle
Arbeitsgruppen Zürich)
Literatur: "Mein Mann liebt einen Mann",
Bettina von Kleist.
"Und dann kamst du ... und ich liebte eine Frau", Sonja
Schock
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